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7. Ewigkeit

Fast hatte ich unser Abteil wieder erreicht. Doch daraus würde erstmal nichts werden.

"Wenn Sie uns bitte begleiten würden, Herr Thal." Der Kampfschaffner war bestimmend in seinem Auftreten. Hinter mir näherten sich bereits zwei weitere Schaffner vom Speisewaggon. Ich spürte bereits ihre aufflackernden Seelenflammen auf meinem Rücken, als wollten sie mir eine Warnung geben.

"Natürlich."

Seine Uniform zeigte nicht eine falsche Falte. An seiner linken Brust prangte das Abzeichen Hardons in Gold. Durch das dunkle Gelb der Weste stach es dennoch hervor. Wie ich trug er eine Taschenuhr mit einer Kette, die zu zum mittleren Knopfloch seiner Weste führte. Nur waren an seiner Kette noch zwei kreisrunde goldene Plättchen befestigt. Sie wiesen ihn für das wissende Auge als Leutnant aus.

Die Kampfschaffner hinter mir würden mit Sicherheit nur ein solches Plättchen tragen. Damit wären sie im Rang eines Soldaten. Wozu sie auf seinen Befehl wohl zu in der Lage wären? Für einen Moment juckte es mir in den Fingern, es auf die Probe zu stellen.

Sie brachten mich in den Schaffnerwaggon. Im ersten Drittel standen mehrere Schreibtische, Sitzgelegenheiten und Schränke. Das zweite Drittel bestand aus einem Abteil, dem Büro des Oberschaffners. Im letzten Drittel folgten schließlich die Schlafkojen. Die Tür zum Frachtbereich schien auf den ersten Blick unscheinbar. Jedoch war das Schließsystem eines der aufwendigsten Designs im ganzen Zug. Nur die Lokomotive selbst war besser geschützt. Die Blaupausen huschten mir über das innere Auge.

Die neugierigen Blicke fünf weiterer Kampfschaffner ruhten mehr oder weniger auffällig auf mir. Wen sie es nicht selbst mitbekommen hatten, dürfte mindestens der Befehl ihres Oberschaffners, mich herzubringen, für Interesse an mir gesorgt haben. Der Leutnant klopfte am Büro und deute mir einzutreten. Kaum hatte ich das Büro betreten, schnellte die Tür hinter mir zu. Unerwartet sanft klickte sie ins Schloss.

Das Büro war geräumig eingerichtet. Links von mir an der Wand stand ein Schreibtisch. Listen und Akten waren darauf verteilt. Beschwert durch mehrere Briefbeschwerer in Form von Seelenbiestern, alle heimisch in Hardon. Ein Blizzardleoppard, eine gemeine Bergziege und ein Weißschwanz.

Die Akten waren in unterschiedlichen Goldtönen gehalten. Eine war beinah Schwarz, das Kennzeichnen für die höchste Geheimhaltungsstufe in Hardon. Ich versuchte meinen Blick nicht zu lange auf der Akte verharren zu lassen.

Vor dem Schreibtisch rechts zwischen zwei Panoramascheiben ruhte auf einem schlichten Podest der Kommunikationskristall. Er schimmerte blau und wirkte wie grob aus dem Fels gebrochen, größer als mein Kopf. Er musste von hoher Reinheit sein. Dem Kristall gegenüber und damit direkt links neben mir an der Wand war eine Holzplatte. Diese ließ sich für eine Lagebesprechung in den Raum ausklappen, vermutete ich.

"Herr Thal." Die rauchige Stimme war begleitet von einem weißen Wölkchen. "Gern hätte ich Sie unter anderen Vorzeichen einmal wieder gesehen."

"Die Ehre wäre ganz meinerseits gewesen." Ich verschränkte meinen rechten Arm hinter meinem Rücken und legte meine linke Hand auf meine Brust direkt über meinem Flammenorgan. Dabei beugte ich mich nach vorn. Mit dem Blick zu seinen Füßen gerichtet, sagte ich. "Bitte erlauben Sie, mich zu erklären."

"Uhaha, noch ganz der Diplomat", amüsierte sich Oberschaffner Michael Rond. Er saß auf einer Couch. Sie war Teil eines Arrangements mit einem Tisch und zwei Sesseln. Couch und Sessel waren in einem bräunlichen Goldton gepolstert. Mit der Pfeife deutete er auf eine ihm gegenüber sitzende Dame. Wie er hatte sie fünf Plättchen an der Uhrkette. Zwei Generäle in einem Zug? Ist nicht normalerweise ein Hauptmann der höchste Rang eines Oberschaffners?

Auch wenn der Rang nicht notwendigerweise etwas über die Kampffertigkeiten aussagte, dürften sie es einzeln mit den Seelenjägern an Bord aufnehmen können.

"Katharina Salberg, ich darf Ihnen vorstellen: Richard Thal, Korrektor, Diplomat und Teufel von Sarkorska."

Sie erhob sich von ihrem Sessel. Noch bevor ich zu einer weiteren Verbeugung ansetzen konnte, streckte sie mir die Hand aus. Ich schätzte sie auf Ende dreißig. Ihr Gesicht war straff und doch mit Grübchen gesegnet. Einige ihrer schwarzen schulterlangen Haare waren geflochten. Sie hingen hinter ihren Ohren herab. Am Ende der geflochtenen Haare waren goldene Zylinder, die die Haare zusammenhielten. Die Zylinder waren mit Runen verziert, wie ich sie aus den Geschichtsbüchern Hardons kannte. Ihre waldgrünen Augen musterten mich.

"Frau Oberschaffnerin Salberg, es freut mich Ihre Bekanntschaft zu machen." Wir grüßten uns mit einem gesunden Händedruck.

"Lassen Sie sich von diesem alten Hund nicht an der Nase herumführen." meinte sie und setzte sich wieder. Rechts neben ihrem Sessel lehnte ein Rapier. Eine filigrane Waffe für den üblicherweise eher wuchtigen Kampfstil, den Seelenflammen mit sich bringen. Der Griff sowie die Scheide des Rapiers zierten ebenfalls hardonische Runen. Eine Rune fiel mir besonders auf. Wenn ich sie recht übersetzte, stand sie für das Wort Ewigkeit.

"Huh, wer ist hier alt?" Oberschaffner Rond fuhr sich durch seinen rostbraunen Vollbart. Es war keine Spur eines grauen Haars zu sehen. Dabei dürfte er auf die sechzig zugehen. Auch seine Kurzhaarfrisur zeigte keinen Deut der Schwäche. Wahrlich gesegnet.

< ... >
< ... >
< ... >
< Fragen der Innenrevision >

Innenrevision: "Katharina Salberg, jüngste Tochter des Anführers der Familie Salberg. Abschluss an der Hohen Schule der Flammenheilung mit Auszeichnung bereits im Alter von fünfundzwanzig Jahren."

Richard Thal: "Und frühestens in den letzten zwei Jahren im militärischen Dienst über den Rank einer Hauptfrau aufgestiegen."

Innenrevision: "Könnten Ihre Quellen damals nicht ungenau gewesen sein."

Richard Thal: "Dann hätte mich Michael Rond angelogen, was ich doch nicht hoffe."

Innenrevision: "Wie kämpft Frau Salberg?"

Richard Thal: "..."

Innenrevision: "Herr Thal ... Dieser Bericht unterliegt bereits der Geheimhaltungsstufe Geheim. Selbiges gilt auch für die Akten über Generäle von Hardon."

Richard Thal: "Ich stehe bei meinem Wort, aber lassen Sie es mich so formulieren, dass jeder Kämpfer es versteht. Wenn sie tatsächlich so kämpfen kann, wie ich es erraten habe, dann dürfen ihre Seelenflammen in einem Kampf niemals in den Körper ihrer Kontrahenten eindringen."

Innenrevision: "Bitte spezifizieren Sie das."

Richard Thal: "... kleinste Verletzungen könnten tödlich sein."

Innenrevision: "Ich muss Sie darauf hinweisen, dass das Korrektiv in dieser Sache gegebenenfalls Zwangsmaßnahmen gegen Sie ergreifen wird."

Richard Thal: "Zur Kenntnis genommen. Gibt es bereits einen Operationsnamen für den Auftrag der Nation Hardon?"

Innenrevision: "Operation Palingenese. Ihre Einschätzungen zu den Angaben der Generäle von Hardon werden in der dortigen Akte verzeichnet. Also lassen Sie uns bitte fortfahren."

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Für daran anschließende Operation Palingenese siehe: https://www.worldanvil.com/community/manuscripts/read/6707376984-midnightplay-operation3A-palingenese

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